Wenn du soviel zu sagen hättest...

coffeetogo…aber irgendwie den Zugang nicht findest. Du quälst Dich, würdest gerne mal wieder einen Artikel schreiben, ein Kapitel in Deinem Buch oder einfach nur einen simplen Facebookbeitrag, aber jedes Mal, wenn Du Dich hinsetzt, ertappst Du Dich dabei, dass nix weiter geht. Kennst Du das? Mir geht es grad so. Und vielleicht hast Du ja einen Tipp für mich.

Vielleicht aber ist das auch ganz gut so?
Wer weiss?

Jedenfalls habe ich momentan das Gefühl, dass mir die Welt viel zu laut ist.
Jetzt kannst Du natürlich lachen und sagen: „Was? Dem ist die Welt zu laut? Der sitzt ja eh die Hälfte Zeit auf irgendeinem Berg oder in irgendeinem Wald!“ Naja, fast…

Und wenn ich sage, mir ist die Welt zu laut, dann meine ich damit nicht das Getöse um Präsidentschaftswahlen, aktuelle Tagespolitik, das Geschrei der Massen gegen rechts, gegen links, gegen dieses oder gegen jenes… Ich muss gestehen, das ist mir egal. Das ist eh für mich nur ein Kasperletheater.
Aber was mir nicht egal ist, sind die Folgen dieses Theaters. Dieser Lärm in uns.
Diese geistige Umweltverschmutzung, die uns tagtäglich begegnet. Dieser Schwachsinn, der uns im TV gezeigt wird und der vermutlich dafür sorgfen soll, dass wir abstumpfen, keine Fragen stellen, mit allem zufrieden sind und konsumieren… Ja, ich kann es abschalten oder erst gar nicht einschalten. Schon klar. Aber ich rede ja auch nicht nur von mir…

Was mir nicht egal ist, ist die Entfremdung, die in uns stattfindet. Uns werden Dinge als natürlich suggeriert, als Fortschritt gepriesen, für gut befunden und propagiert, die uns nicht nur voneinander entfremden, sondern uns auch von unserem Ursprung trennen.

Wieviele Menschen begegnen mir auf der Straße, den Blick stur auf ihr Smartphone gerichtet. Würde ich nicht ausweichen, käme es zur Kollision.
Wir erleben Ernährungstrends, die ohne chemische Zusatzstoffe gar nicht möglich wären und glauben, das sei gesund.
Unseren Kindern wird „Folgemilch“ eingeflösst mit künstlichen Kulturen von was-weiss-denn-ich, und das sei optimal für Baby’s Bäuchlein! Hilfe!
Wir trinken Energy-Drinks, weil es cool ist und wir ja schließlich morgens auch fit sein müssen, damit wir unseren Platz im täglichen Wahnsinn der Hamsterräder und Leistungsgesellschaft einnehmen und ausfüllen können.
Wir sehen Regenbogenfarben in den Wolkengebilden über uns und freuen uns über ein Wetterphänomen, statt uns Gedanken darüber zu machen, wo die Aluminium und Barium Partikel im Regenwasser herkommen.
Aber so schlimm kann das mit dem Aluminium ja nicht sein, schließlich ist es in den meisten Deodorants ja auch drin. Und die Industrie will uns doch bestimmt nicht schaden, oder?!
Wir töten unser Immunsystem und erwarten, gesund zu werden, wozu wir Mittel brauchen, die uns diejenigen verkaufen, die davor dafür gesorgt haben, dass wir vor die Hunde gehen.

Vielleicht liegt es daran, dass es heute vor meinem Fenster zum ersten Mal in diesem Winter schneit und ich den Schnee in der Stadt einfach nur grauslig finde. Vielleicht macht das Novembergrau mich depressiv. Kann schon sein.
Aber ich bin sicher nicht der einzige, der sich fragt, was zum Teufel hier eigentlich schief läuft.

Und dabei gibt es auch die andere Seite:

Ich erlebe es täglich in meiner Arbeit, wie Menschen, deren Seele sich über die Jahre immer wieder versucht hat, Gehör zu verschaffen, jetzt endlich ihren Weg gehen, wie sie sich aufraffen, lösen, von den Dingen, die sie gegelaubt haben zu brauchen. Sie hören auf, Diener von Geistern zu sein, die sie belügen und versklaven, weil sie erkannt haben, dass sie nicht auf dieser Welt sind, um die Träume anderer zu erfüllen. Sie haben erkannt, dass sie hier sind, ihr eigenes Leben erfüllt zu gestalten.
Sie sind bereit, Verantwortung zu übernehmen.
Hurra!

Und doch…

Und doch habe ich das Gefühl, als wäre ich fremd hier.
Ich fühle in mir die lebendige Verbindung aus Himmel und Erde, sehe, wie einfach alles sein könnte, wie logisch alles ist. Aber wir Menschen haben wohl den Drang, alles zu verkomplizieren, wir wollen nichts Natürliches, sondern ziehen das Künstliche der Natur vor… Sorry, das ist doch krank!

Und dabei bräuchten wir bloss mal den Blick von unserem Smartphone heben, die Augen von den Bildschirmen wegbekommen, die uns eine Realität nur vorgaukeln.
Ja, da draußen findet Leben statt. Wir müssten uns nur daran erinnern, dass auch wir Teil dessen sind, was da draußen vor dem Fenster existiert. Wir sind geboren aus Feuer, Erde, Wasser und Luft. Uns belebt alle derselbe Geist. Ganz egal, ob wir uns Mensch nennen, ob wir tief verwurzelt als Baum im Wald stehen, oder als Eichhörnchen die letzten Nüsse für den Winter vergraben.

Ja, vielleicht ist genau das mein „Problem“. Ich spüre diese lebendige Verbindung, spüre das Leben wie es sein kann. Spüre aber auch die Natur und ihren Krieslauf, der jetzt zur Ruhe kommt und sich für den Winter zurückzieht. Jetzt wird aus dem Summen der Bäume ein leises Flüstern. Wer weiß? Vielleicht bin ich deswegen zur Zeit eher sprachlos… Wer weiß?

In diesem Sinne…
SP Stefan Schriftzug Kopie2

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7 Kommentare zu Wenn du soviel zu sagen hättest...

  1. Katja sagt:

    Manchmal braucht es die Ruhe vor dem Sturm und den Rückzug bevor man hinaus in die Welt ruft. Rein christlich betrachtet ist das was du beschreibst eine wunderbare Adventsstimmung, die du genießen solltest. Hört sich zwar grad nicht besonders punky an ist aber durchaus herzlich gemeint.

    Alles Liebe Katja

  2. Karl sagt:

    Wow, du beendest deine längere Schreibpause mit einer heftigen Tirade gegen den gesellschaftlichen Wahnsinn der „zivilisierten“ (von wem???) Welt!
    Die mitfühlende Leserin und der gewogene Leser werden ganz tief in den nebelverhangenen Ohrensessel des Novembers gedrückt.
    Und doch keimt am Ende deines Jahresrückblicks(?) ein Pflänzchen der Hoffnung, dass, wenn der Nebel sich verzieht, etwas auf uns wartet, auf das wir uns freuen sollten!
    Danke!
    Karl

  3. Sarah Freya sagt:

    Ich kenne diese Schreibblockaden zu gut. Ich denke man sollte immer einen Zettel und einen Stift dabei haben, um sich die Dinge zu notieren die einem spontan einfallen. Könnte durchaus leichter fallen.
    Bei dem Rest lese ich eine leichte Winterdepression heraus…nicht negativ gemeint. Es gibt Menschen, die lassen sich von diesem Grau runterziehen. Man kann es ja auch als amgenehm empfinden. Auch der Winter zeigt Mutter Natur con seiner schönen Seite. Ich glaub, ohne Umweltverschmutzung wird es nicht gehen. Dann dürften wir alle nicht mehr so leben wie wir es eben tun, doch wer will schon aufhören mit dem Auto zu fahren, wo er doch überall viel schneller hin kommt? Wer möchte schon aufhören die wunderbaren Beleuchtungen an einem Winterabend zu begutachten, wo es doch eine Spur Romantik mitbringt? Wer will aufs warme Haus oder die warme Wohnung verzichten? Es gibt so vieles, das wir nicht ändern…was die Welt dennoch nicht weniger lebenswert macht. Es ist ein Geben und Nehmen…es ist deine Einstellung allein, die dich runterzieht. Es ist auch deine Einstellung allein, die den grauen Winter auch bunt erscheinen lassen kann 🙂

    • trumpfs sagt:

      Danke für Dein Feedback, aber um Winterdepressionen handelt es sich nicht. 🙂
      Ich möchte auch nicht die Vorzüge der Zivilisation missen oder verurteilen.
      Es geht in meinem Artikel um Entfremdung von unserer wahren Natur…
      Den Zettel und den Stift hab ich übrigens immer dabei. 😉

  4. Maria sagt:

    Mir sprichst du aus dem Herzen Stefan und ich danke dir sehr dafür! Es ist eine Wohltat für mich, hier genau das ausgesprochen zu sehen, was ich die ganze Zeit empfinde. Das Novembergrau ist da gar nicht schuld daran, vielmehr finde ich es sogar tröstlich und auch die zeitweise Stille bringt mir Entspannung von der äusseren Geschäftigkeit, die rund um mich herum flirrt.
    Irgendwie komme ich mit der Herausforderung nicht mehr so klar, Verständnis für Menschen zu haben. Dabei war gerade das immer meine Stärke und ich konnte so viel Streit und Missverständnis aus der Welt schaffen. Immerhin!
    Ob sich meine Wahrnehmung verändert hat? Jedenfalls kommen mir die Leute im Laden, auf der Strasse und auch im Gemendesaal derart fremd vor und künstlich, dass ich es kaum mehr aushalten kann in deren Nähe. Warum schreien die alle und wie kann man hier noch atmen? Pelzkragen, Parfum und noch der Geruch vom gegessenen Rind.

    Es kocht etwas hoch in mir. Ich kenne das. Kein schönes Gefühl, die Verachtung!
    Später zuhause beim Verdauen merke ich wie lieblos ich selber unterwegs war und wie anmassend, andere für etwas zu verurteilen, was ich bis vor wenigen Jahren selber praktiziert hatte. In Wirklichkeit darf ich dankbar sein für den Vorzug, einfach mehr Zeit zur Verfügung zu haben, um mich über die Zusammenhänge von menschlichen Bedürfnissen wie Nahrungsbeschaffung und die Folgen davon zu informieren.
    Das gibt mir weder das Recht zu missionieren, noch auf Unwissende herabzuschauen. Vielmehr will ich wieder versuchen, durch mein eigenes Handeln, durch meine Achtsamkeit und sicher auch durch meine Präsenz ein Beispiel zu sein. Es ist wichtig, respektvoll miteinander umzugehen, denn sonst stosse ich sofort auf Ablehnung und selbst der kostbarste Gedanke wird dann vom Tisch gewischt.
    Auch wenn es sehr wenig ist, was ich als Einzelne tun kann, ich will wenigstens das umsetzen. In meinem Herzen fühlt sich das richtig an und warm.

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