Einfach sein

Es ist schwierig, das, was mir gerade durch den Kopf geht, in Worte zu fassen.
Schon lange hab ich nicht mehr im eigentlichen Sinne gebloggt.
Aber das, was sich hier in mir an die Oberfläche drängt, will wohl offensichtlich raus, also bitte.
Was soll das heißen „einfach sein“ und warum scheint das auf der einen Seite so schwierig, auf der anderen Seite aber genau der Schlüssel zu einem erfüllten Leben zu sein? Folge mir in den nächsten Abschnitten auf meinen Gedankengängen und wir werden sehen…

Wer mir schon länger folgt, weiss, dass ich Anfang des Jahres mein Buch veröffentlicht habe und inzwischen an einem Nachfolger tüftle, der sein Gesicht immer wieder verändert. Außerdem wollen Erlebniswochenenden in Deutschland organisiert und vorbereitet werden, KlientInnen betreut, Auszubildende gefördert und eben auch ausgebildet werden, und auch sonst ist mir nicht langweilig.

Ich hatte auch zunächst gedacht, dass ich das, was ich heute schreibe in eine meiner für die Bücher geeigneten Formen bringe. Aber das scheint nichts zu werden.
Also sitze ich in aller Herrgottsfrühe mit meinem Laptop im Garten, weil das die einzige Zeit ist, in der uns die Hitze des Sommers noch nicht im Griff hat.

Dieser Artikel schwirrt mir schon einige Zeit im Kopf herum, aber der wirkliche Auslöser dafür war – wieder einmal – Facebook.

Also nicht Facebook direkt, sondern das, was ich in den verschiedenen von mir frequentierten Gruppen so lese.
Bitte versteh mich gleich richtig. Ich mag hier niemanden kritisieren, mich über niemanden erheben. Jeder bitte so, wie er oder sie es für richtig hält. Wahrheit ist ja nicht zuletzt eine Frage des Standpunktes und der Wahrnehmung.

Was ich aber nicht begreife ist Folgendes:

Da wird in der esoterischen Szene und bei vielen spirituellen Lehren und Coaches überall von Einfachheit gesprochen, wie leicht alles gehen soll und dass das Leben sich ganz klar easypeasy bewältigen lässt.
Dann aber wird zwei Sätze weiter von Apparaten gesprochen, die es dazu braucht, von Geheimlehren und Mysterien, von Einweihungen und Techniken, die es zu erlernen gilt. Es wird darüber gesprochen, wie man was zu denken hat, damit man glücklich werden kann, welche Amulette, Anhänger, Kristalle, Essenzen, Raumsprays man haben und/oder welchen Einweihungsgrad man erreicht haben muss, um weiter in die Mysterien des Universums einzutauchen.

Es werden ganze Glaubenssysteme aufgebaut, die bei genauerer Betrachtung fast schon religiösen Charakter haben. Uns werden Informationen versprochen, es wird über Wirkungsweisen referiert, Engel, Aliens und was weiß ich ins Feld geführt und je abgefahrener es klingt, desto besser soll es sein.
Ständig werden neue Regeln aufgestellt, ständig scheint jemand das Rad neu erfunden zu haben, oder jetzt endlich den alten Weg gefunden zu haben, auf dem schon vor zig 1000 Jahren jemand zur Erleuchtung gefunden hat.

Ich fühle mich oft an eine Zeit erinnert, in der an jeder Ecke ein anderer Prophet stand, oder in der Menschen in bunten Planwagen durch die Lande zogen, um die Zukunft vorher zu sagen oder Wundermittelchen zu verkaufen.

Und das soll einfach sein?

Wenn Sein einfach sein soll, warum verkomplizieren wir dann immer alles?
Wenn einfach sein angeblich ausreicht, wozu brauch ich dann den ganzen oben aufgeführten Kram? Wozu muss ich meinen Kopf mit komplizierten Symbolen, Techniken etc. füttern?

Wenn ich all diese Regeln, Pfade, Lehren und so weiter beherzigen will, bin ich so mit DENKEN beschäftigt, mit Aufpassen, alles richtig zu machen und nur ja darauf zu hören, was Herr oder Frau Guru zu sagen hat, dass ich zum Sein doch erst gar nicht komme.

Wir sind so konditioniert zu glauben, dass wir zu klein und zu dumm sind, das Göttliche zu begreifen, dass es uns in die Nase kneifen könnte und wir würden es für einen Schnupfen halten, den es mit Technik „a“ oder Spray „B“ zu „transformieren“ gilt.
Über all die Generationen, die wir hier nun schon rumkrebsen hat irgendjemand sich angemaßt, uns zu übersetzen, was Gott/Göttinen oder Götter wollen.
Und wenn wir brav sind und das tun, dann gibts irgendwann (vermutlich im Jenseits) ein Leckerli.

Das ist zum Teil heut noch so. Das Oberhaupt der katholischen Kirche warnte jüngst seine Schäfchen davor einen allzu intensiven Kontakt zu Jesus Christus zu pflegen, ohne dass die vermittelnde Kraft eines Priesters dazwischen ist.
Ob das wohl daran liegt, dass dem Schäfchen klar werden könnte, dass es besagten Priester und am Ende dann den ganzen Verein gar nicht braucht, weil es ganz allein mit der Göttlichkeit kommunizieren kann?

Wir Menschen lieben das Geheimnis. Wir lieben das Mysterium, weil ich besser bin als Du, wenn ich das Mysterium durchschaut habe und das Geheimnis kenne. Zumindest glauben das viele…

Was aber, wenn es gar kein Mysterium gäbe?

Was, wenn Sein tatsächlich einfach wäre.
Was, wenn die einzigen Techniken, die Du bräuchtest, Meditation und Beobachtung wären?
Was, wenn das ausreichte?

Was, wenn die Geheimnisse des Universum deswegen in uns liegen, weil wir das Universum SIND?
Was, wenn das Universum kontinuierlich mit uns kommuniziert, indem es uns Bilder, Menschen oder Situationen erleben lässt, die uns sagen:
„Du brauchst den ganzen Scheiss nicht. Setz Dich hin und hör mir einfach zu. Lass mich machen. Ich bin Du und Du bist ich. Beobachte und lass mich machen.“

Was wäre, wenn wir gar nicht anders könnten, als eins zu sein mit dem Schöpfer, weil 99,9999… % des uns Bekannten aus Raum besteht, einem Raum in dem ALLES enthalten ist, was jemals war, ist und sein wird?
Und da wir dann alle Raum sind, von diesem umgeben und durchdrungen werden wie die Jedi-Ritter von der Macht, wozu bräuchte es dann Orgonite, Pyramiden, Kristalle und Essenzen?
Wozu bräuchte es Trommeln, Räucherwerk und „alte Wege“?

Was, wenn Erleuchtung Erinnerung wäre und Erwachen ein sich Loslösen, von allem, was uns in Konzepten, Theorien, Praktiken, Dogmen und Systemen festhält?
Was, wenn Entwicklung wirklich verstanden würde als eben genau das?
Was, wenn wir lernten uns selbst und unserer Intuition zu vertrauen?
Was, wenn wir den Mut hätten unsere eigene Wahrnehmung nicht immer in Zweifel zu ziehen?
Was, wenn wir Verantwortung übernähmen und uns auf den Weg machten, dem Universum zuzuhören und seine sogenannten „Botschafter“ in die Wüste schickten, ganz gleich, ob sie aus dem Diesseits oder Jenseits (also dem Raum) kommen?!

Am Ende wären wir womöglich frei.
Am Ende würden wir womöglich endlich aus der Spirale des Denkens ausbrechen, ins Fühlen kommen, spüren, dass wir Schöpfer und Schöpfung zugleich sind.
Wir würden üben anzunehmen und loszulassen.
Wir nähmen an, was ist und ließen los, was Illusion, Konzept oder Dogma ist.

Was, wenn wir unser Wollen aus dem Weg räumten und das Universum seine Arbeit machen ließen.
Was, wenn wir uns selbst nicht immer wieder im Weg herumstünden, weil wir uns schlicht nicht vorstellen können, dass alles ganz einfach ist?
Was, wenn wir es lebten, statt es zu theoretisieren?
Was, wenn wir dazu unsere Nächsten inspirierten anstatt sensationsheischend das nächste, neueste Geheimnis oder Produkt zu hypen, das viel verspricht, aber eben doch nur wieder vom Wesentlichen ablenkt?

Kann den Sein wirklich so einfach sein?
Ja, kann es.
Probier es doch mal aus!

In diesem Sinne…

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